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Impresión! - Die ersteTangoreise

Tanzreise nach La Gomera, Anfang März 2005 mit Tangotours

So, man ist in den Tango verliebt und möchte seine Verliebtheit krönen mit einer Reise, um sie so richtig auszuleben. Wem vertraut man sich mit seinen Anfängerkenntnissen nun an? Man recherchiert im Internet, natürlich, und findet bald die Seite von Tangotours. Ob diese Reiseagentur wohl die richtige ist? Das Programm ist jedenfalls abwechslungsreich, deckt das ganze Jahr ab und die ausgesuchten Orte lassen nicht nur stilvollen Lebensgenuß vermuten, sondern auch volle Konzentration auf das Lernen. Man meldet sich also an, damit man sich möglichst schnell in eine authentische, leidenschaftliche Tanguera verwandelt.

Die erste Tangostunde, die erste Milonga und die erste Tangoreise sind Initiationen, die einfach gelingen müssen, damit die Faszination dieses anspruchsvollen Tanzeseinen mit Hingabe hinwegsehen läßt über die Schwierigkeiten ihn zu erlernen. Im Glücksfall führt das zu einer leidenschaftlichen Umarmung des Tanzes, die einen ein Lebenlang nicht mehr los läßt.

Die Finca El Cabrito auf La Gomera ist ein Ort, an dem auch kreative oder spirituelle Kurse abgehalten werden. Der Tango hat auch eine gewaltige spirituelle Dimension und er ist dazu auch lustvoll. Feminine Kleidung und fast exhibitionistisch zur Schaugestellte hocherotische Schuhe sind hier keine Attitüde, sondern probate Mittel, sich an sich selbst zu erfreuen und dabei auch noch seinen Tanzpartner glücklich zu machen. Die Frau macht den Mann zum Mann, damit er wiederum sie glücklich machen kann. Diese spirituelle Dimension muß man sehen, mehr noch, genießen können, um ein guter Tänzer zu werden. Der Tango ist nicht nur erotisch, er hat auch eine erotische Intelligenz, ein Paradox wie so vieles an diesem Tanz. Erotik ist nicht nur ein Spiel um seiner selbst willen, sie ist eine legitime Art, dem Leben und seinen Geheimnissen auf die Spur zu kommen.

Es ist nur leider so, dass dieser Tanz dem Lernenden körperlich wie geistig viel abverlangt. Jeder Haltungsfehler, jede verschwommene Einstellung zum anderen Geschlecht oder zu sich selbst kommen heraus und man läuft Gefahr, das kostbare Gleichgewicht zu verlieren. Und wie geht man jetzt mit den Erkenntnissen um? Gut, dass es die Gruppe gibt und man sieht, dass auch die anderen mit Schwierigkeiten zu kämpfen haben. An anregenden Unterhaltungen hat es auf dieser Reise bestimmt nicht gefehlt. Aber man muß die gewonnenen Erkenntnisse umsetzen, sonst bleibt der Tanz nur eine Aneinanderreihung eleganter Schritte und führt nicht zu einer persönlichen Weiterentwicklung. Und hier kommt die einzigartige Lage der Fincains Spiel. Dieser Ort eignet sich wie kein anderer durch seine Abgeschlossenheit dazu, konzentriert zu lernen und kreativ zu sein, denn er ist nur mit dem Boot oder durch eine zweistündige Wanderung zu erreichen. Schon der Prospekt und die Internetseite von Tangotours lassen vermuten, dass es sich um einen besonderen Ort handelt. Aber man hat ja schon viel gesehen und wurde schon von einigen Versprechungen in die Irre gelockt. Spätestens am zweiten Tag des Aufenthaltes auf der Finca bemerkt man jedoch, dass alle Bedürfnisse, die ein gestreßter, urlaubsreifer Mensch hat, auf einfache Weise, aber mit aufmerksamer Unangestrengtheit vollkommen erfüllt werden. Jedes 5-Sterne Luxushotel könnte sich davon eine Scheibe abschneiden. DieZimmer sind so eingerichtet, dass man sich wohl fühlt, in den einfachen Betten schläft man gut, die Aussicht auf die Palmen und das Meer tun der Seele gut. Das auf landestypischer Art erbaute Haupthaus und die Gästezimmer fügen sich harmonisch in die 300 Hektar große Plantage ein, die eher an einen auf malerische Art verwilderten Garten erinnert, der ausgedehnte Spaziergänge zuläßt, die jeden zum lustvollen Entdecker werden lassen. Das Essen ist auf gomerische Art einfach, aber die Zutaten so vollreif aus eigenem biologischen Anbau, dass man schon bald erstaunt bemerkt, dass man davon Kraft bekommt und mit diesem sinnentleerten Schlemmen von selbst aufhört. Man ißt eben nur bis man satt ist, aber das ist eine sehr befriedigende Sattheit. Getränke, kleine Kuchen und Früchte stehen merkwürdigerweise immer dann bereit, wenn man Lust auf sie hat. Die Weinflasche abends aus dem Regal zu nehmen ist, als sei man zu Hause und man geht nur drei Schritte, um sie an einem der langen Holztische mit angenehmen Menschen genußvoll zu leeren. Durch die Natürlichkeit und Schlichtheit der Umgebung kommt man innerlich zur Ruhe und mehr wollte man ja nicht, oder?

Dazu kommt, dass es sich bei der Finca um einen Ort der Kraft handelt, was zunächst nichts mit den hübsch anzusehenden Gebäuden oder den Kursangeboten zu tun hat. Man macht einfach das, was einem selbst gut tut, kann unliebsame Gewohnheiten ablegen. Das geschieht auf so unmerkliche Weise, dass man sich fragen muß, warum einem das nicht früher oder an anderen (Urlaubs-) Orten gelang. Vielleicht hat es damit zu tun, dass man auf der Finca direkt kein Geld ausgeben kann, es keinen Fernseher gibt und man nicht den Streß fühlt auch nur irgend etwas anzusehen, denn dazu müßte man diesen paradiesisch anmutenden Ort mit eigenem Strand verlassen und wozu sollte man das tun? Man bekommt die Erholung geschenkt, nach der man sich gesehnt hat, die man aber selbst oft verhindert durch Erlebnisstreß.

Und zum Schluß nochein paar Worte zum Wichtigsten: der Qualität des Tangounterrichts und der optimalen Organisation der Reise. Einige wichtige Dinge scheinen für Kerstin Karkowski von Tangotours so selbst-verständlich zu sein, dass sie sie unerwähnt läßt. Die Tänzer, die öfter mit ihr reisen, wissen das natürlich. Mit Erstaunen erfährtman, dass Kerstin fast alle Kurse persönlich begleitet, da sie selbst eine passionierte Tänzerin ist und ihr Reisebüro professionell und eben auch liebevoll leitet. Sie kümmert sich mit persönlichem Einsatz um die Kontakte zu den Lehrern, damit die Teilnehmer wirklich gut lernen können. Eric und Jeusa bringen über achzehnjährige Erfahrung im Tanzunterricht mit und sind strenge Lehrer, die ihr Augenmerk zu recht auf saubere Technik setzen. (Wie konnte ich nur vorher glauben tanzen zu können?) Aber wie im richtigen Leben zollt man nur einem strengen, aufmerksamen Lehrer Respekt und vergißt die anderen, die zwar nett sind, aber einen nicht weiterbringen. Tangotours vermag auch wirkliche Highlights anzubieten, wie in diesen Fall einen "Samba de Gafieira"-Kurs mit Jeusa und Renato, der thematisch mit dem Tango in Verbindung steht und damit eine fröhliche Ergänzung zu dem eher ernsten Tanz bietet. Außerdem wurde eine herrliche Wanderung organisiert, bei der man auch die Insel kennenlernt und einen Tag lernfrei hat, was man zwar zuerst nicht einsehen will, aber tatsächlich braucht man diese Abwechslung.

Jede richtige Tanguera und jeder Tanguero möchte natürlich am Abend seine neu erworbenen Kenntnisse und elegante Kleidung vorführen. Die jeden Abend stattfindenden Tangoabende mit offenem Ende und der Abschlußball mit Tanzvorführungen waren in der Tat gelungen, mehr noch, ein Genuß und dazu abwechslungsreich gestaltet. So ganz nebenbei erfährt man in einem Vortrag auch etwas über die Geschichte des Tangos und am Abschlußball wurde in der typischen argentinischen Weise mit “Cortinas” aufgelegt.

Im Hintergrund gibt es bestimmt die eine oder andere organisatorische Herausforderung, aber als Teilnehmer merkt man nichts davon, die Organisation ist großartig. Außerdem gelingt mit Tangotours das einfühlsame Kunststück etwas aus den kostbaren Urlaubstagen mit in den Alltag zu retten. Das fängt bei den erworbenen Tangokenntnissen an und geht über die unaufdringliche Nachbetreuung mit einer CD, einer Internetseite, auf der die eingereichten privaten Photos aufbereitet sind - bis zu der Möglichkeit, den Kurs im November fortzusetzen.

Regine Reichenbach, München

Reisebericht in der "Tangodanza" 03 2005, Seiten 84 + 85. Download der PDF-Datei (738 kb) PDF-Download